Ein Video des republikanischen Kongressabgeordneten Tim Moore sorgt in den sozialen Netzwerken für Wirbel. In dem Clip steigt Moore eine enge, alte Treppe unter dem US-Kapitol in Washington, D.C. hinab und zeigt auf einen verborgenen Tunnel.
Er erklärt, dass der Gang aus den frühen 1800er-Jahren stammt und vermutlich mit dem britischen Angriff auf Washington im Krieg von 1812 zusammenhängt. Damals steckten britische Truppen das Kapitol und weitere bedeutende Gebäude in Brand. Moore wolle damit offenbar einen weniger bekannten Teil der Geschichte des Gebäudes zeigen.
In den sozialen Medien wird ein düsteres Komplott angedichtet
Kaum war das Video online, griffen Verschwörungsideologen es auf. Beiträge behaupteten, der Tunnel sei von Jeffrey Epstein genutzt worden, um Minderjährige für reiche und mächtige Männer – darunter Ex-Präsident Bill Clinton und Amtsinhaber Joe Biden – zu schmuggeln. Solche Behauptungen kursieren schon länger und werden immer wieder ohne Belege verbreitet. Jetzt wurde kurzerhand auch der historische Tunnel in diese Erzählung eingebaut, obwohl es keinerlei Verbindung zu Straftaten gibt.
Kein Hinweis auf illegale Nutzung
Fact-Checker und Medien gingen den Behauptungen nach und fanden keinerlei Belege dafür, dass der Tunnel für illegale Zwecke genutzt wurde. Der gezeigte Gang gehört offenbar zum ursprünglichen Fundament des Kapitols. Verborgene Räume, Tunnel und Fluchtwege waren in Regierungsgebäuden dieser Zeit üblich, vor allem in Kriegs- oder Unruhesituationen. Der von Moore präsentierte Tunnel passt in dieses Muster.
Berichterstattung verzichtet auf Spekulationen
US-Medien wie Fox News und die New York Post berichteten über das Video, stützten die Verschwörungserzählung jedoch nicht. Stattdessen hoben sie die historische Bedeutung des Tunnels und das Interesse des Abgeordneten hervor, die verborgene Vergangenheit des Kapitols zu zeigen. Moore selbst äußerte sich nicht zu den nun online kursierenden Behauptungen.
Gerüchte schwappen nach Europa
Die Verschwörungserzählung hat inzwischen auch Europa erreicht; Versionen der Behauptung kursieren dort mit übersetzten Untertiteln. Dennoch betonen auch lokale Medien, dass es keinerlei Belege für einen Zusammenhang zwischen dem Tunnel und kriminellen Aktivitäten gibt. Die Geschichte zeigt einmal mehr, wie rasant sich Gerüchte verbreiten, wenn alte Fakten mit falschen Narrativen vermischt werden.