Zwei bekannte türkische Journalisten, Timur Soykan von der Zeitung BirGün und Murat Ağırel von Cumhuriyet, wurden letzten Freitag auf Kaution freigelassen, nur einen Tag nachdem sie in Gewahrsam genommen worden waren. Beide Männer arbeiteten an einer Untersuchung zum Verkauf von Flash Haber TV, einem lokalen Nachrichtensender in der Türkei. Zudem forschten sie über die kürzliche Verhaftung des Istanbuler Bürgermeisters Ekrem İmamoğlu, der der Opposition angehört.
Journalisten wegen Drohungen und Erpressung beschuldigt
Behörden behaupteten, dass Soykan und Ağırel während ihrer Untersuchung versucht hätten, Menschen zu erpressen und zu bedrohen. Die Journalisten widersprechen den Vorwürfen vehement und betonen, sie hätten lediglich ihre Arbeit gemacht. „Wir sind einem Skandal nachgegangen“, sagte Soykan Reportern nach dem Gerichtstermin. „Wir sind Journalisten und haben berichtet, was wir herausgefunden haben.“
Medienorganisationen bezeichnen die Verhaftungen als Warnsignal
Die Zeitungen BirGün und Cumhuriyet beschrieben die Verhaftungen als ernsthaften Versuch, Journalisten einzuschüchtern, die über Themen berichten, die der Regierung nicht passen. Der Vorsitzende des BirGün-Vorstands, İbrahim Aydın, postete in den sozialen Medien, dass es nicht um Gerechtigkeit, sondern um das Schweigen der Presse gehe.
Zur Einordnung: BirGün und Cumhuriyet gehören zu den wenigen verbliebenen Oppositionszeitungen in der Türkei. Viele andere unabhängige Nachrichtenportale wurden in den letzten zehn Jahren entweder geschlossen oder von staatsnahen Unternehmen übernommen.
Anstieg der Verhaftungen nach Inhaftierung des Bürgermeisters
Seit der Inhaftierung von Bürgermeister Ekrem İmamoğlu am 19. März wurden zudem mindestens 13 Journalisten verhaftet. Die meisten berichteten über Proteste oder politische Fälle. In der Türkei kann bereits die Teilnahme an einer Demonstration – selbst als Reporter – zu Vorwürfen der „unerlaubten Versammlung“ führen, die nach türkischem Recht eine Straftat darstellt.
Journalisten kündigen an, ihre Berichterstattung fortzusetzen
Trotz des Drucks betonen sowohl Soykan als auch Ağırel, dass sie ihre Arbeit fortsetzen werden. „Wir werden weiterhin das schreiben, was wir für wahr halten“, sagte Ağırel.
Internationale Organisationen, darunter Reporter ohne Grenzen, äußerten Bedenken hinsichtlich zunehmender Einschränkungen der Pressefreiheit in der Türkei. Der Fall Soykan und Ağırel wird von vielen als Teil eines umfassenderen Bestrebens gesehen, kritische Stimmen zu unterdrücken, insbesondere im Vorfeld lokaler und nationaler Wahlen.